Ein Hund kommt zu uns – „Hunde wollen Struktur!“
Unser Hund hat sich uns nicht ausgesucht.
Wir haben ihn uns ausgesucht und deshalb haben wir eine große Verantwortung für unseren Hund und unser neues Familienmitglied und müssen ihm Liebe, Schutz, ein schönes Hundeleben mit vielen Abenteuern, gutem und abwechslungsreichem Essen und einer guten Pflege mit den nötigen Arztbesuchen geben.
In allem, was ich mit meinem Hund mache, sollte ich viel Geduld haben, nicht aufgeregt oder hektisch sein und ihn nicht anschreien. Ich muss also ein souveräner Rudelführer werden!
Kommt ein neuer Hund zu mir in meine Familie, dann lasse ich ihm die nötige Zeit, sein neues Zuhause zu erkunden. Danach kommt die Umgebungen an die Reihe, dann lernen wir unsere netten Nachbarn kennen.
Wenn unser Hund unternehmungslustig ist, erkunde ich mit ihm die weitere Umgebung. Wo sind unsere Geschäfte?
Wir besuchen unseren Tierarzt.
Wir lernen unsere Menschen- und Hundefreunde kennen.
Wir suchen uns eine geeignete Hundeschule.
Wir gehen ins Hundeauslaufgebiet und unternehmen Ausflüge in unserer Hundegruppe.
Jetzt hat unser Hund schon eine Beziehung zu uns aufgebaut.
Natürlich muss ich schon von Anfang an mit der Erziehung anfangen.
Wie mache ich das?
Ich habe mir überlegt, was mein Hund darf und was er nicht darf.
Wenn er etwas nicht darf, ist es sinnvoll, ihm eine Alternative anzubieten.
Dazu kann man auch sagen, man lenkt nicht erwünschtes Verhalten um.
Wir ignorieren nicht erwünschtes Verhalten und geben unserem Hund die Möglichkeit, erwünschtes Verhalten zu zeigen, das am Anfang mit Leckerchen belohnt werden kann. Und wir loben und streicheln ihn immer, wenn er das richtige Verhalten zeigt.
Mein Hund buddelt im Garten. Ich mache meinen Hund auf mich aufmerksam und lenke ihn mit einem Spiel vom unerwünschten Verhalten ab.
Man vermeidet das Wort NEIN und bietet seinem Hund eine Wort-Alternative an.
Mein Hund möchte zum begehrten Brötchen auf der Straße. Ich mache meinen Hund auf mich aufmerksam, wechsele die Laufrichtung und lenke ihn so von der begehrten Beute ab und sage z. B.: „Sammy, hier lang!“
Ich nenne nicht ständig seinen Namen ohne weitere Anweisungen.
Ich sage z. B.: „Sammy, sitz! – Sammy, warten! – Sammy, bleib! – Sammy, weiter! – Sammy, lauf!“
Wenn ich meinenHund anschaue, anspreche oder anfasse, dann bedeutet das: „Hey ich will was von dir, sei mal aufmerksam!“
Wenn ich meinen Hund nicht anschaue, nicht anspreche und nicht anfasse, wenn ich ihn also ignoriere, dann bedeutet das: „Alles in Ordnung und ich hab dich lieb!“
Nach jeder Aktivität sollte mein Hund die Möglichkeit haben, sich auszuruhen.
Manchmal ist mein Hund aufgedreht, dann muss man sich ruhig auf seinen Ruheplatz setzen und ihn beruhigen (mit Schnüffelteppich, Spielzeug, kuscheln, kraulen etc.).
Nach jedem Schlafen muss ich meinen Welpe sofort auf den Arm nehmen und ihn zum Pippi-Platz raus bringen. Auch ältere Hunde unternehmen nach dem Schlafen gerne einen Spaziergang.
Wenn er nicht auf alle Sofas und Stühle soll, ein Prioritäten-Sofa auswählen und dort eine Hundedecke drauflegen und ein Wort etablieren, z. B.: „Spring hoch!“
Wenn der Hund Leckerchen, Joghurt oder Ähnliches bekommt, ist es auch gut, wenn er seine gewohnte Decke hat, auf der er auch rumschlabbern darf. Auch hier ist es sinnvoll, ein Wort zu etablieren, z. B.: „Auf die Decke!“
Der Hund ist ein Gewohnheitstier und möchte gerne einen geordneten Tagesablauf haben mit möglichst den gleichen Ritualen.
Wenn ich meinem Hund eine Anweisung geben möchte, sage ich seinen Namen und warte, bis sich mein Hund auf mich konzentriert. Dann sage ich das Anweisungs-Wort ein Mal! Also: „Sammy, sitz!“
Wenn mein Hund nicht gleich beim ersten Mal hört, schimpfe ich nicht, sondern helfe ihm, meine Anweisung auszuführen. Ich stupse ihn an, pfeife, klatsche in die Hände oder gehe ein Stückchen weg.
Schaut mich mein Hund an, schaue ich ihn auch an und lächele ihm zu.
Wenn unser Hund auf uns zugerannt kommt, knie ich mich seitlich hin, zeige ihm meine Handinnenseiten und streichele ihn an den Schultern, am Kinn oder an den Ohren.
Ich schaue nicht immer zu meinem Hund, denn das bedeutet für ihn starken Stress. Mein Hund fühlt sich kontrolliert und denkt: „Was will mein Mensch von mir?“
Wir spielen mit unserem Hund auch oft nur mit unseren Händen, wir knuddeln und kitzeln ihn, wandern mit unseren Fingern auf seinem Körper entlang, pusten ihn an, usw.
Wir machen Maulspiele, damit unser Hund lernt, seine Zähne zu kontrollieren. Wenn er zu fest zubeißt, rufen wir laut und hoch: „Aua!“
Bald sind wir ein gutes Mensch-Hund-Team und langsam festigt sich unsere Beziehung und es entsteht die wundervolle Bindung mit meinem Hund, unserem FamilienHund.
Hunde sind unsere Familie – „Hunde machen mich glücklich!“
Eine Familie ist so wie ein Rudel.
Auch nicht alle Kinder in einer Familie stammen von beiden Eltern ab und umgekehrt sind auch nicht alle Eltern Blutsverwandte und sind doch liebevolle Eltern.
Und so sollten wir mit unseren Hunden zusammen leben, sie in unsere Familie integrieren, sie liebevoll behandeln und ihnen die nötige Aufmerksamkeit und Fürsorge geben wie unseren Kindern.
Wölfe und afrikanische Wildhunde leben auch in einem Familienverband und die Elterntiere betreuen die Familie, sorgen für Nahrung und den nötigen Schutz.
Keiner ist ein Alphatier und jeder hat seinen Platz in der Familie und trägt zum guten Gelingen dieser Gemeinschaft bei.
Was bedeutet das für unser Zusammenleben mit unseren Hunden?
Auch wir sollten als Eltern freundschaftlich mit unseren Hunden umgehen, sie nicht anschreien oder körperlich maßregeln.
Auch sollten wir nicht mit Leinenruck Verhalten korrigieren oder mit der Leine oder anderen Gegenständen auf den Hund werfen.
Die Hunde verstehen uns und wenn wir uns Mühe geben und auch ihre Körpersprache lernen, dann wird das Zusammenleben ganz leicht und man kann ohne viele Worte miteinander kommunizieren.
Wenn mein Familienmitglied Hund merkt, dass ich ihn beschützen kann, aufmerksam ihm gegenüber bin und ihm die nötige Pflege, Zuwendung und Liebe entgegen bringe, dann wird er sich ganz schnell in die Familienstruktur einfügen und friedlich an meiner Seite leben.
Fazit:
Wenn mein Hund merkt, dass ich ihn verstehe, ihn liebe und Rücksicht auf seine Bedürfnisse nehme, dann wird er sich in meine Familie einfügen und die Regeln, die in der Familie gelten, auch befolgen.
so wird mein Hund zum FamilienHund!
Das Hunderudel – „Ich liebe Hunde!“
Hunderudel leben in Familienstrukturen:
Eltern + Geschwister
Die Eltern bleiben in der Regel bis zum Tod zusammen und die Kinder unterstützen die Eltern bei der Futterbeschaffung und Welpenaufzucht.
Die Eltern führen das Rudel, die Familie, souverän und pflegen eine friedliche Familienführung.
Sie suchen den Aufenthaltsplatz, den Rendevous-Platz, aus, suchen eine sichere Höhle für die Welpen-Aufzucht und führen das Rudel sicher durch das Hundeleben.
Die Hunde bringen sich untereinander Respekt und Vertrauen entgegen.
Was bedeutet das für unser Mensch-Hund-Team?
Wenn wir mit unseren Hunden über die Beziehung und Erziehung eine Bindung aufbauen wollen, müssen wir uns an der Familienstruktur der wildlebenden Hunde und der Wölfe orientieren.
Der Tagesablauf – „Hunde lieben Gewohnheiten!“
Manchmal wünsche ich mir, Hund zu sein und so selig träumend in den vielen Kissen und Decken zu liegen, wohl wissend, dass Papa und Mama für mein leibliches und seelisches Wohl und meine Gesundheit bestens sorgen.
Viele interessierte Menschen und Verhaltensforscher haben halb wild lebende Hunde beobachtet, um ihr Verhalten, ihren Tagesablauf, ihre Gruppenstruktur und ihre Nahrungsmittelbeschaffung zu untersuchen.
Ich empfehle euch das Buch von Günther Bloch „Die Pizza-Hunde“, was sich sehr spannend liest und Erkenntnisse über den Tagesablauf dieser Hunde vermittelt, die man mit seinen Hunden wunderbar umsetzen kann.
Wie sieht der Tagesablauf bei den wild lebenden Hunden aus?
Der zentrale Treffpunkt dieser Hunde wird Rendevous-Platz genannt, ähnlich wie bei uns unser Zuhause.
Hier fühlen wir uns wohl und sicher, hier schlafen wir und treffen unsere Freunde.
Am Morgen streift man dann gerne schnuppernd durch sein Revier und prüft, ob fremde Hunde oder andere Tiere hier waren und ob alles so ist wie gestern.
Danach entspannt man wieder auf dem Rendezvous-Platz.
Der Nachmittg ist für Essensbeschaffung und Abenteuer reserviert.
Man schaut z.B. in einer Pizzeria vorbei, ob man ein paar Stücke abstauben (deshalb der Name „Pizza-Hunde“) oder an der Strandbude vom hundeliebenden Verkäufer ein paar Essensreste erobern kann oder ob bei der netten Dame der Napf wieder randvoll gefüllt ist.
Der Nachmittag wird auch für Unternehmungen in die weitere Umgebung genutzt oder man schaut nach geeigneten Verpaarungspartnern.
Abends trifft man sich dann wieder am Rendevous-Platz und erfährt durch Abschnuppern der anderen Hunde ihre Erlebnisse.
Was bedeutet das für unser Hund-Mensch-Team?
Morgens könnten wir mit unserem FamilienHund eine gemütliche Schnupperrunde um den Block und durch unser Revier gehen.
Dabei bekommt unser FamilienHund genug Gelegenheit, um sich einen Überblick über die Aktivitäten zu verschaffen, die sich seit seinem letzten Kontrollgang ereignet haben.
Zu Hause gibt es Frühstück und dann kann unser Hund sich mit kleinen Suchspielen, Schnüffelteppichen oder Kauleckerchen beschäftigen.
Danach ist es wieder Zeit für eine entspannte Ruhe- oder Schlafrunde, damit der Energietank aufgefüllt werden kann.
Am Nachmittag stehen dann Unternehmungen auf unserem Tagesplan.
Treffen mit Kumpels, Stadtbummel, Kaufhaus- und Restaurantbesuche, menschliche Freunde, Handwerkermärkte oder Hundeläden besuchen oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.
Waldspaziergänge und Aktivitäten wie Schwimmen, Mantrailing, Spurensuche und Hundeschule runden unsere Abenteuer ab.
Nach diesem ereignisreichen Tag freut sich unser Hund aufs Abendessen, ein entspannendes Leckerchen hinterher und die herrliche Bettruhe, wenn möglich, mit unseren Eltern zusammen im Schlafzimmer.
Das ist Hundeglück und die Sechs im Lotto, einen entspannten, zufriedenen und ausgeglichenen FamilienHund an unserer Seite zu haben.